Eine Lawine analysiert

Am 31.01. wurde ich von einer Lawine erfasst und 100 Meter mitgerissen. Ein Erlebnis, das ich erstmal verarbeiten musste – dabei hat mir das Videomaterial meiner Helmkamera sehr geholfen. Denn ich habe überhaupt nicht verstanden, woher die Lawine kam – völlig überraschend hat sie mich von rechts erwischt.
Das zeigt, wie schnell ein Unglück passieren kann, auch bei eingehender Planung der Fahrt. Denn egal wie viel man glaubt sich vorbereitet zu haben, oft hat man doch noch irgendetwas übersehen:

Ein Kollege hat mir kurz nach dem Vorfall dieses Bild geschickt:

@Horst Lederer

Darauf ist die Ausgangslage gut zu sehen: Die erste Rinne der Gamsroute wurde bereits vor uns befahren, was uns eine gute Grundlage zur Einschätzung der zweiten Rinne gab, da sie ähnlich steil ist. Rechts sieht man, wo ich nach dem Rutsch zum liegen gekommen bin. Die Rinne im Video liegt genau im Schatten über mir, hinter dem Felsen. Man erkennt auch, dass bereits weitere Skifahrer unserer Spur folgen und den Hang aus dem Video befahren.

Zum späteren Zeitpunkt, als wir die Suche nach meinem zweiten Ski für beendet erklären und abfahren, sieht der Hang so aus:
Lawinenhang_after
Man sieht, dass direkt neben dem Lawinenkegel viele weitere Spuren entstanden sind. “Geht’s dir gut?” wurde ich oft gefragt. Aber “Kann ich helfen?” fragte keiner. Kurios, wenn man bedenkt, dass meine ganze Ausrüstung, bis auf einen Ski, sichtbar auf der Schneeoberfläche lag. Niemand hat sich die Mühe gemacht, wirklich hinzusehen und mir die Dinge zu bringen. Also habe ich mich zusammengerissen und bin selbst durch den Tiefschnee geklettert, um mich wieder auszurüsten.
Bis zum Ende des Tages sind sicherlich hunderte Leute die Gamsroute gefahren und meines Wissens ist zum Glück keinem anderen etwas passiert.

2 thoughts on “Eine Lawine analysiert

  1. Andreas

    Sehr gutes Video und vernünftige Analyse. Zeigt einmal mehr, dass Lawinenairbags ihren Sinn haben.
    Aber ich muss auch sagen, dass ich den Hang bei Lawinenwarnstufe 3 zumindest bei der Einschätzung von Bild #2 doch als sehr riskant eingeschätzt hätte und wohl davon Abstand genommen hätte, den zu fahren. Aber gut, man übersieht was und schon ergibt sich eine völlig neue Situation. Es mahnt jedenfalls zur Obacht.
    Ich merke selber, wie ich manchmal (eigentlich nur sehr selten) dann doch in einen Hang einfahre, der einfach zu verlockend ist, aber wo ich mir nicht zu 100 % sicher bin, ob der bei den vorherrschenden Verhältnissen wirklich passt.

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  2. matt

    Erstmal, alles gute, dass Dir nicht mehr passiert ist! Das mit dem Felsband links hätte sich auch anders ausgehen können. Sehr gute Analyse. Man sieht wieder Lehrbuch, ja, vorher ansehen und bewerten – ist manchmal ind er Praxis gar nicht so umzusetzen. Ich bin gerade noch etwas Fassungslos über die ganzen vorbeifahrenden anderen Freerider, sowas hat man leider schön öfter gehört :(

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